Metal Gear Solid
Metal Gear Solid erschien 1998 für die Sony PlayStation und wurde von Hideo Kojima entwickelt sowie von Konami veröffentlicht. Der Titel gilt als einer der wichtigsten Vertreter des Stealth-Genres und setzte neue Maßstäbe bei Storytelling, Präsentation und Spielmechanik auf Konsolen.
Mit seiner Mischung aus taktischem Schleichen, filmischer Inszenierung und einer komplexen Handlung hob sich das Spiel deutlich von vielen Actiontiteln seiner Zeit ab. Die aufwendig inszenierten Zwischensequenzen, vollständige Sprachausgabe und die ernsthafte Story machten das Spiel zu einem der prägendsten PlayStation-Titel.
Story
Die Geschichte spielt auf der abgelegenen Militärbasis Shadow Moses Island vor der Küste Alaskas. Dort übernimmt die Eliteeinheit FOXHOUND unter der Führung von Liquid Snake eine Nuklearwaffenanlage, welche als Atommüll-Entsorgungsanlage getarnt ist und droht mit einem Atomschlag, sollte die US-Regierung ihre Forderungen nicht erfüllen.
Um die Situation zu lösen, wird der ehemalige Spezialagent Solid Snake aus dem Ruhestand zurückgeholt und heimlich in die Anlage eingeschleust. Seine Mission besteht darin, zwei wichtige Geiseln zu retten und herauszufinden, ob die Terroristen tatsächlich Zugriff auf eine einsatzbereite Atomwaffe haben.
Im Verlauf seiner Mission stößt Snake auf zahlreiche Mitglieder der FOXHOUND-Einheit, darunter Revolver Ocelot, Sniper Wolf, Vulcan Raven und Psycho Mantis. Gleichzeitig entdeckt er, dass die Terroristen Zugriff auf eine neue Waffe besitzen: Metal Gear REX – einen zweibeinigen Kampfroboter, der nukleare Raketen abfeuern kann.
Im Laufe der Geschichte kommen immer mehr Hintergründe ans Licht, darunter das geheime Klonprojekt „Les Enfants Terribles“, aus dem sowohl Solid Snake als auch Liquid Snake hervorgegangen sind. Die Ereignisse auf Shadow Moses entwickeln sich schließlich zu einer persönlichen Konfrontation zwischen den beiden genetischen Brüdern, während Snake gleichzeitig versucht, die Aktivierung von Metal Gear REX zu verhindern.
Gameplay
Der Kern von Metal Gear Solid liegt im taktischen Stealth-Gameplay. Anstatt Gegner direkt zu bekämpfen, besteht das Ziel meist darin, unentdeckt durch die verschiedenen Bereiche der Basis zu gelangen. Wachen patrouillieren feste Routen und reagieren auf Geräusche, verdächtige Bewegungen oder sichtbare Spuren. Wird Snake entdeckt, löst dies einen Alarm aus und Gegner beginnen aktiv nach ihm zu suchen.
Ein wichtiges Hilfsmittel ist das Soliton Radar, das die Position von Gegnern, Kameras und Hindernissen auf einer kleinen Karte anzeigt. Dadurch kann der Spieler besser einschätzen, wie sichtbar Snake für seine Gegner ist und wo sich Gefahren wie Minen oder Fallen befinden.
Gegner lassen sich auf verschiedene Arten ablenken. Geräusche wie Klopfen an Wänden oder das Laufen über Metallgitter können ihre Aufmerksamkeit erregen. Auch Fußspuren im Schnee oder nasse Spuren nach dem Durchqueren von Pfützen können sie verfolgen.
Ein klassisches Hilfsmittel ist außerdem der bekannte Pappkarton, mit dem sich Snake vor den Augen der Wachen verstecken oder sogar zwischen verschiedenen Orten transportieren lassen kann.
Grafik und Atmosphäre
Für ein Spiel der PlayStation-Ära bot Metal Gear Solid eine Vielzahl kleiner Details, die zur Atmosphäre beitrugen.
In Außenbereichen fällt z.B. Schnee und es gibt sichtbaren Atem, das Wasser im unterirdischen Hangar wirft Wellen oder Pfützen mit einfachen Spiegelungseffekten verstärken den Eindruck einer lebendigen Umgebung.
Um Polygone zu sparen, wurden die Gesichter der Charaktere jedoch bewusst einfach gehalten. Die reduzierte Darstellung lässt dabei Spielraum für die Fantasie des Spielers, der sich das genaue Aussehen der Figuren selbst ausmalen kann.
Musik
Die Musik des Spiels wurde größtenteils dynamisch in Echtzeit erzeugt, anstatt aus festen Musikstücken zu bestehen. Dadurch konnte der Soundtrack nahtlos auf das Geschehen reagieren und ohne hörbare Unterbrechung zwischen verschiedenen Situationen wechseln. Besonders deutlich wird dies beim Übergang vom normalen Spielmodus in den Alarmzustand, bei dem die Musik unmittelbar in eine hektischere Variante übergeht.
Das bekannte musikalische Intro-Motiv (Du-Du-Du) tauchte in ähnlicher Form bereits im Intro des Spiels Policenauts auf, einem früheren Projekt von Hideo Kojima.
Synchronisation
Für ein Konsolenspiel seiner Zeit bot Metal Gear Solid eine ungewöhnlich umfangreiche Sprachausgabe. Das Spiel wurde vollständig vertont, was wesentlich zur filmischen Inszenierung beitrug.
Unter erschwerten Bedingungen nahmen die amerikanischen Sprecher ihre Dialoge in einer Garage auf und mussten die Aufnahmen gelegentlich unterbrechen, wenn vorbeifahrende Autos zu viel Lärm verursachten.
Aus heutiger Sicht wirkt die Synchronisation stellenweise etwas überzeichnet. Für viele Fans trägt gerade das jedoch zum besonderen Kultcharakter des Spiels bei.
Besonderheiten und Spielmechaniken
Einige der bekanntesten Momente des Spiels entstehen durch ungewöhnliche Ideen, die mit den Erwartungen der Spieler spielen. Besonders berühmt ist der Bosskampf gegen Psycho Mantis. Dieser Gegner scheint die Gedanken des Spielers lesen zu können: Er erkennt gespeicherte Spielstände anderer Konami-Spiele, kommentiert das Spielverhalten – etwa wie häufig gespeichert wurde oder wie viele Gegner getötet wurden – und kann sogar die Vibrationsfunktion des Controllers nutzen. Um ihn letztlich zu besiegen, muss der Spieler den Controller in den zweiten Controller-Port der Konsole stecken.
Auch während einer Folterszene kommt eine ungewöhnliche Spielmechanik zum Einsatz. Der Spieler muss wiederholt eine Taste drücken, um Snake am Leben zu halten. Wer diese Sequenz mehrfach erfolgreich übersteht, erhält später ein anderes Ende,, bei dem Snake gemeinsam mit Meryl Silverburgh entkommt und die Bandana als Bonusgegenstand erhält.
Trivia
Bereits zu Beginn der Mission begegnet Snake in der Basis mehreren Ratten, die für zusätzliche Atmosphäre sorgen und die Anlage realistischer wirken lassen. Sie können dem Spieler den Weg zeigen, fressen in einer Szene den PAL-Key und lösen sogar einen Codec-Anruf aus, wenn Snake zu häufig auf sie schießt.
Auch Zigaretten spielen eine kleine Rolle. Wenn Snake raucht, sinkt sein Lebensbalken – worauf seine Kontaktperson Naomi ihn auf die Gefahr von Lungenkrebs hinweist. Gleichzeitig haben sie auch einen praktischen Nutzen: Der Rauch macht unsichtbare Laserfallen sichtbar und kann das Zittern beim Zielen mit dem Scharfschützengewehr reduzieren.
Ein weiteres Gameplay-Element ist der Umgang mit Temperaturen. Bestimmte Gegenstände können einfrieren, Rationen können durch Kälte unbrauchbar werden und Snake kann unter den extremen Außentemperaturen krank werden.
In der japanischen Integral Version kann man sich über eine bestimmte Codec-Frequenz 140.07 über 400 Entwicklerkommentare auf japanisch zur Entstehung des Spiels anhören.
Nicht umgesetzte Ideen
Während der Entwicklung experimentierte das Team mit vielen weiteren Ideen, die es letztlich nicht in die finale Version schafften.
Geplant war unter anderem ein deutlich realistischeres Verletzungssystem, bei dem Snake dauerhaft verletzt bleiben konnte. Blutverlust hätte seine Bewegung verlangsamt, Unterkühlung hätte Zittern verursacht und verschiedene Verletzungen hätten aktiv behandelt werden müssen. Diese Ideen wurden in späteren Teilen dann wieder aufgegriffen.
Auch die Ratten sollten ursprünglich eine größere Rolle spielen. Der Spieler hätte sie als Begleiter behalten und ihnen sogar Namen geben können. In einem verworfenen Easter Egg sollten sie während des Bosskampfes gegen Sniper Wolf mit jedem abgefeuerten Schuss größer werden.
Eine weitere gestrichene Idee betraf die Gefängnisszene: Dort hätte Snake den Wärter ursprünglich mit Zigaretten bestechen können, um leichter aus der Zelle zu entkommen.
























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